Ilonka Breitmeier - Leseproben

Fischteich Zeit

Wenn ich an Zeit denke, denke ich an die Unendlichkeit, was merkwürdig ist, denn eigentlich ist Zeit eine Begrenzung. Oder kann sie beides sein? Zumindest erscheint sie relativ.
Im Universum betrachtet oder bei der Entstehung unserer Welt, wenn wir in Millionen von Jahren rechnen, scheint sie unendlich. Den Menschen gibt es seit langer, langer Zeit. Allerdings geht die Entwicklung scheinbar immer schneller von statten. Hat man in Tausenden von Jahren nur ein Werkzeug, nämlich die Steinaxt erfunden, eine Ewigkeit gebraucht um das Feuer zu nutzen oder seine Toten zu bestatten, haben wir es in nur hundert Jahren von der Dampflok, übers Automobil, zum Flugzeug, bis zu Satelliten und Raumfahrtraketen geschafft. Vom Telegraphen, übers Radio zum Fernseher, bis zum Video übertragendem Handy und Internet weltweit. Vom Schießpulver über die Atomspaltung bis zur Schutzimpfung.
Wenn ich allerdings einen Tag betrachte, ist die Zeit unglaublich kurz. Wobei fünf Minuten eine Ewigkeit dauern können, wenn ich auf einen geliebten Menschen warte oder mit Überschallgeschwindigkeit vergehen, wenn er dann da ist.
Zeit kann unglaublich stressig ablaufen oder todlangweilig. Zeit kann knapp sein oder bemessen, Zeit kann rasen oder schleichen, Zeit kann erinnern oder verblassen, Zeit kann altmodisch sein, modern oder zeitlos.
Man kann die Zeit nicht zurückdrehen oder vorspulen, außer in Gedanken. Manche sagen Zeit ist Freiheit, andere Zeit ist Geld.
Der Zahn der Zeit nagt an Allem, während die Zeit permanent Neues hervorbringt. Die Zeit gebiert jede Sekunde neues Leben, während sie jede Sekunde den Tod bringt.
Die Zeit lässt sich nicht fassen, nur berechnen, nicht bestechen, nur verlängern, nicht ändern nur verschieben.
Man kann sie nicht festhalten oder anhalten oder verhindern. Sie folgt nur ihren eigenen Gesetzen. Sie ist eine der Dimensionen, die man messen aber nicht ermessen kann.
Zeit kann kostbar sein, wenn man sie braucht oder überflüssig, wenn man zuviel davon hat. Ist sie wie ein Fluss, der einer Quelle entspringt, einen Weg zurück legt, um sich dann mit dem Meer zu verbinden oder eine Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt?
Man kann Zeit verschwenden, vergeuden, nutzen, schinden oder das Zeitliche segnen. Allerdings befindet man sich dann bereits in einer anderen Dimension, wo Zeit keine Bedeutung mehr hat.